Prunkäxte Typ Hafling-Linz

Prunkaxt

Diese Axttypen werden der Badener Kultur zugerechnet, finden sich aber auch in benachbarten Kulturgruppen gleicher Zeitstellung. So sind sehr ähnliche Stücke aus Sachsen bekannt, Salzmünder Kultur, und aus der Chamer Kultur, Bayern. Die hier vorgestellten Stücke sind aufgrund entsprechender Beifunde der Chamer Kultur zuzusprechen. Sie stammen aus der Gegend um Passau.

Prunkaxtfragment, Hafling Linz

Prunkaxtfragment, Hafling Linz

Bei diesem Fragment handelt es sich um ein reich verziertes Stück aus Serpentinit. Ober- und Unterseite zeigen drei,  in Längsrichtung eingravierte Linien, von denen tannenzweigartig weitere Dreiergruppen abzweigen. Eine Besonderheit ist die verzierte, leicht gerundet ausgeschliffene Schneide. Die Verzierung und die stumpfe Schneide weisen dieses Stück definitiv als reines Präsentationsstück ohne Arbeitswert aus. Ein ähnlich verziehrtes Stück befindet sich im Schlossmuseum in Linz, Oberösterreich.

Verändert nach Wolfgang Sauber / Wikimedia Commons /GNU Free Documentation License

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Ein weiteres ähnlich verziertes Fragment einer Prunkaxt Hafling-Linz, allerdings anders geformt, stammt aus Aiterhofen, Landkreis Straubing-Bogen, Niederbayern. Dieses ebenfalls im Schaftloch gebrochene Artefakt besitzt eine sehr stark gerundete Schneide, die einen Arbeitseinsatz unmöglich macht.1

Prunkaxt

Vollständige Prunkaxt, Finder Manfred Stolper jun.

Diese vollständige Prunkaxt ist unverziert. Auch die Schneide ist deutlich schärfer ausgeführt als bei den vorherigen Stücken. Dennoch wird auch sie in den Kreis der Prunkäxte gezählt, aufgrund der aufwendigen Formgebung, Hohlschliff der Ober- und Unterseite, und dem Material, Serpentinit. Auch hier liegt ein Bruch im Schaftlochbereich vor. Die Länge beträgt 20 cm, die Breite 4 cm, die Dicke 3 cm, der Lochdurchmesser ist 18 mm.

Die Fundgeschichte dieser Axt ist so außergewöhnlich, dass sie hier kurz erwähnt werden soll: Bei einer Feldbegehung in strömendem Regen wurde ein Teil dieser Axt gefunden. Ganze 18 Jahre später fand sich an gleicher Stelle der fehlende Teil der Axt. → Zeitungsbericht

Link

Oliver Schmitsberger, Neufunde endneolithischer Streitäxte aus Oberösterreich und dem angrenzenden Niederösterreich, in Jahrbuch des OÖ. Musealvereines – Gesellschaft für Landeskunde, Band 148/I, S. 9ff, PDF

  1. Ludwig Husty, Endlich datierbar – Neufund einer neolithischen Prunkaxt aus Aiterhofen, in Das archäologische Jahr in Bayern, 2006, S. 28ff