Neolithische Beile und Äxte – Übersicht

Beile und Äxte erfuhren im Neolithikum eine besondere Wertschätzung. Sie waren beim Hausbau und bei der Rodung der Anbauflächen unentbehrlich. Darüber hinaus waren sie von Beginn an mehr als ein einfaches Werkzeug, sie hatten auch symbolische Bedeutung.

Eine über die einfache Funktion hinausgehende Bedeutung ist schon zu Beginn des Neolithikums bei den bandkeramischen Dechselklingen aus Amphibolit/AKS zu beobachten. Obwohl meist geeignetes Felsgestein zur Dechselklingenherstellung lokal zur Verfügung stand, wurde nahezu ausschließlich → Amphibolit verwendet. Erst gegen Ende der Bandkeramik wird Basalt häufiger. Die Verbreitung der Dechselklingen aus Amphibolit im gesamten bandkeramischen Verbreitungsgebiet wird auf ein Tauschnetzwerk zurückgeführt, das vermutlich auf verwandtschaftlichen Beziehungen bestand und erst gegen Ende der Bandkeramik allmählich zusammenbrach. Schon hier treten außergewöhnlich große Dechselklingen auf, die deutlich über dem normalen Größenspektrum liegen. Besonders lange Exemplare haben eindeutig eine symbolische Bedeutung, ein Arbeiten war bei diesen Dimensionen nicht mehr möglich. Generell scheinen Dechselklingen aus Amphibolit, wie auch Spondylusschmuck, Prestigesybole gewesen zu sein.1

Intentionell zerbrochene Prunkdechselklinge, Grabbeigabe

Intentionell zerbrochene Prunkdechselklinge, Grabbeigabe

Die sog. „Breitkeile“ des Mittelneolithikums sind teils sorgfältig geschliffen, haben einen symmetrischen Querschnitt und sind parallel zur Schneide durchbohrt, es treten aber auch oportunistische Formen auf. Ursprünglich wurden sie als Äxte gedeutet, obwohl die Schneiden selten Gebrauchsspuren zeigen und teilweise stumpf sind. Mittlerweile werden sie meist als Spaltkeile zum Spalten von Stämmen interpretiert. Der geschäftete Setzkeil soll aufgesetzt worden sein und durch Schläge auf den Nacken eingetrieben worden sein.

Ein Vergleich mit heutigen Spaltkeilen zeigt überdeutlich, wie unsinnig diese Deutung ist. Der Keilwinkel der Setzkeile ist viel zu groß, um Spaltbohlen herzustellen – ein passender Hartholzkeil kann hervorragend zum Spalten verwendet werden. Zudem ist es schwer nachvollziehbar, warum ein Stein stundenlang geschliffen und durchbohrt werden soll, wenn ein Holzkeil, der in wenigen Minuten herzustellen ist, die gleiche Funktion erfüllen kann. Darüberhinaus sind mehrere Spaltkeile nötig, um einen Stamm oder eine Bohle zu spalten, die Anfertigung entsprechend vieler steinerner Spaltkeile würde Wochen dauern. Auch das teilweise über große Entfernungen importierte Rohmaterial Amphibolit spricht gegen eine so profane Nutzung.

Durchlochte Keile sind eher mit steinernen Keulenköpfen gleichzusetzen, es handelt sich wohl ebenfalls um Waffen.2

→ Durchlochte Felssteingeräte

Die → Prunkbeilklingen aus Jadeit werden als Herrschaftssymbole gedeutet. Nicht nur der äußerst seltene Rohstoff, auch die Form und die nicht geschärfte Schneide weisen sie als Kultobjekte aus.

Auch die ersten Kupferbeilklingen werden Rang- und Machtsymbole gewesen sein, häufig wurde versucht, den rahren Rohstoff zu imitieren, indem ähnlich farbiger Feuerstein verwendet wurde, beispielsweise Grand Pressigny Feuerstein für Spandolche. Die besondere Bedeutung dieser Beile schließt ihre Verwendung als Arbeitsgerät jedoch nicht aus, wie das → Beil des Mannes vom Hauslabjoch zeigt.

Die oft als → Streitäxte angesprochenen, sehr aufwendig geschliffenen Felsgesteingeräte des Endneolithikums waren ebenfalls keine Arbeitsgeräte. Sie sind als Waffen anzusprechen. → Prunkäxte Typ Hafling-Linz.

Besonders im Übergang vom nordischen Endneolithikum zur Bronzezeit ist die Imitation von Bronzegegenständen zu beobachten. Dies gilt insbesondere für die Fischschwanzdolche aber auch für Beilklingen, die mit ihren ausschweifenden Schneiden getriebene Bronzebeilklingen nachahmen → Breitschneidige Beilplanke.

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→ Holz­be­ar­bei­tung in der Altsteinzeit

→ Beile und Äxte der Mittelsteinzeit

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→ Beilklin­gen des Neo­li­thi­kums im Rheinland

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→ Grundlegendes zu Dechselklingen

→ Dech­sel­klin­gen aus Steingrundform

→ Durchlochte Felssteingeräte

→ Beil– und Axtschäftungen

  1. Johannes Müller, Alexander Herrera und Norbert Knossalla, Spondylus und Dechsel – zwei gegensätzliche Hinweise auf Prestige in der mitteleuropäischen Linearbandkeramik ?, in Müller/Bernbeck (Hrg.) Prestige – Prestigegüter – Sozialstrukturen, Beispiele aus dem europäischen und vorderasiatischen Neolithikum, Archäologische Berichte 6, DGUF, S. 81ff, PDF
  2. Eric Biermann, Alt- und Mittelneolithikum in Mitteleuropa – Untersuchungen zur Verbreitung verschiedener Artefakt- und Materialgruppen und zu Hinweisen auf regionale Tradierungen, Köln 2001/2003, S. 109, PDF