Holzbearbeitung in der Altsteinzeit | Steinzeit & Co

Holzbearbeitung in der Altsteinzeit

Paläolithikum

Die ältesten von Archäologen als Beil bezeichneten Artefakte sind die sog. Lyngbybeile. Dabei handelt es sich um Geweihe, deren Eissprosse gekürzt wurde. Ist der Sprossenrest unbearbeitet, werden sie auch Lyngbyhacke genannt, entsprechende Funde treten schon in Bilzingsleben auf.

Bilzingsleben, Geweihhacke und -keule

Bilzingsleben, Geweihhacke und -keule

Schräg angeschliffene Arbeitsenden treten erst im Jungpaläolithikum auf. Die Verwendung der Artefakte als Beil ist keineswegs gesichert, typische Gebrauchsspuren lassen sich nicht feststellen. So werden sie richtiger als Hacke oder Picke angesprochen.  Es liegt vielmehr die Deutung als Keule/Schlagknüppel1 oder Grabgerät nahe.2  Im Neolithikum treten sie als → Gezähe beim Feuersteinbergbau auf.

Lyngbybeil nach Alfred Rust

Lyngbybeil nach Alfred Rust

Geräte zum Fällen und Bearbeiten von Hölzern muss es jedoch schon deutlich früher gegeben haben, allerdings können sie nicht als Beile oder Äxte angesprochen werden. Teilweise werden Cleaver als ungeschäftete, mit bloßer Hand geführte Beile interpretiert.3 Fiedler vermutet beilartig geschäftete Werkzeuge schon im Mittelpaläolithikum,4 jungpaläolithische Klingenkratzer und meißelförmige Knochengeräte könnten als Beil oder beilartig geschäftet gewesen sein.5 Durchbohrte, als Axtkopf ansprechbare Artefakte waren nach heutigem Kenntnisstand unbekannt.

Wie schon erwähnt, wurden in der Altsteinzeit vornehmlich Äste und Stämme mit geringen Dimensionen verarbeitet, die keine spezialisierten Holzbearbeitungswerkzeuge zwingend nötig machten. So haben Gebrauchsspurenanalysen ergeben, dass beispielsweise Faustkeile und insbesondere Schaber häufig zur Holzbearbeitung eingesetzt wurden.

Mehr zu diesem Thema:

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  1. E. Werth, „Kommandostab“ und „Lungbybeil“ in ethnographischer Beleuchtung, in Quartär, 1954, S.132ff; Joachim Hahn, Erkennen und Bestimmen von Stein– und Knochenartefakten, Archaeologica Venatoria, Band 10, Tübingen, 1991, S. 304
  2. Joachim Hahn, 1991, S. 304 ablehnend
  3. Lutz Fiedler/ G. und W. Rosendahl, Altsteinzeit von A bis Z, Publikationen der Reiss-Engelhorn-Museen, Band 44, WBG, Darmstadt, 2011, S. 49; Joachim Hahn, 1991, S. 149
  4. so auch Joachim Hahn, 1991, S. 172 bei bifaciellen Schabern
  5. Lutz Fiedler/ G. und W. Rosendahl, 2011, S. 49; Joachim Hahn, 1991, S. 306 zu mesolithischen Geweih- und Knochengeräten