Dechselklingen aus Steingrundform

Dechselklingen aus Steingrundform

Verschiedene Dechselklingen aus Steingrundformen

Diese Artefaktgruppe ist durch Jürgen Weiner (MA), erkannt und publiziert worden. Bisher sind erst knapp über 60 Stücke bekannt, sie stammen aus Museen und Privatsammlungen. Die ursprüngliche Bezeichnung „Dechselklinge aus Feuersteingrundform“  ist inzwischen wegen entsprechender Funde auf  „Dechselklinge aus Steingrundform“ erweitert worden. Diese Form der Dechselklingen tritt in jungneolithischem Kontext auf und scheint sich über das Spätneolithikum bis zum Endneolithikum zu halten.

Dechselklinge aus Grundform

Dechselklinge aus Steingrundform, evtl Steckschäftung

↑Die oben gezeigte Dechselklinge ist aus einem Abschlag gefertigt, das Material ist Rijckholt Feuerstein. Länge 78 mm, Breite 45 mm, Dicke 18 mm, Gewicht 54,9 Gramm. Der kulturelle  Zusammenhang ist für diese Fundstelle noch nicht zu ermitteln, erst weitere Begehungen können Klarheit bringen. Evtl deutet sich aufgrund einiger Beifunde eine spätneolithische Zeitstellung an. Glanz im Nackenbereich, insbesondere an den Lateralkanten lässt eine Steckschäftung vermuten, erst eine Gebrauchsspurenanalyse kann diese Vermutung klären.

Halbfabrikat, verbrannt

Halbfabrikat einer Dechselklinge, verbrannt

↑ Bei diesem Stück handelt es sich um eine nicht fertiggestellte Dechselklinge, da der Schliff im Schneidenbereich fehlt. Die Länge ist 100 mm, die Breite 45 mm, die Dicke beträgt 17 mm, das Gewicht 70,6 Gramm. Das Material ist Feuerstein, verbrannt. Die Ventralfläche zeigt große Reste der Grundform, es ist deutlich zu erkennen, dass es sich um einen großen, zu einer Dechselklinge modifizierten  Abschlag handelt.

Kleine Dechselklinge aus Feuersteingrundform

Kleine Dechselklinge aus Feuersteingrundform

↑ Diese sehr kleine Dechselklinge ist stark benutzt, Reste des geschliffenen Schneidenbereichs sind noch vorhanden. Die Länge beträgt 44 mm, die Breite 22, die Dicke 12 mm. Das Gewicht liegt bei 10,8 Gramm, wohl Rijckholt Feuerstein. Die Dechselklinge scheint bei der Herstellung nicht wesentlich größer gewesen zu sein, wahrscheinlich wurde sie nur für feine Arbeiten ohne großen Kraftaufwand genutzt.

Dechselklinge aus kräftiger Feuersteinklinge

Dechselklinge aus kräftiger Feuersteinklinge

↑ Bei dieser nur im Schneidenbereich geschliffenen und flüchtig lateral retuschierten Dechselklinge ist die Grundform außerordentlich gut zu erkennen. Ein nahezu identisches Stück wurde wie folgt beschrieben: „… bemerkenswert ist ein Klingenkratzer aus grauem, geflecktem Flint, weil er terminal auf beiden Seiten geschliffen ist, die Kanten sind unregelmäßig retuschiert.“1

Große Dechselklinge aus (Feuer-)Steingrundform

Große Dechselklinge aus Steingrundform

↑ Bei diesem Exemplar aus Rijckholt Feuerstein ist es etwas schwieriger, die Grundform zu erkennen. Offenbar war die Grundform etwas verdreht und zu stark gebogen, sodass die Ventralseite der Schäftbarkeit wegen stark retuschiert werden musste. Deshalb ist nur ein relativ kleiner Teil der Ventralfläche sichtbar. Dieses Stück wurde auch als Beilklinge diskutiert. Nur auf der Ventralseite vorhandener Glanz spricht für eine Knieholmschäftung, ansonsten wäre auch dorsal Schäftungsglanz zu erwarten. Darüberhinaus weisen die durch Picken gestumpften Lateralkanten auf eine Schnur/Rohhautbindung hin, die nur bei einer Knieholmschäftung zu erwarten ist.

Dechselklinge aus Steingrundform

Dechselklinge aus Steingrundform

↑ Im Gegensatz zu den anderen Dechselklingen aus (Feuer-) Steingrundform ist dieses Stück aus Hornfels. Das Stück stammt aus der Gegend um Passau, während alle anderen hier gezeigten Stücke aus dem Rheinland stammen.

Dechselklingen aus Steingrundform werden von Jürgen Weiner bei Wikipedia ausführlich beschrieben.

Mehr zu die­sem Thema:

→ Beile, Äxte & Co

→ Holz­be­ar­bei­tung in der Altsteinzeit

→ Beile und Äxte der Mittelsteinzeit

→ Neo­li­thi­sche Beile und Äxte — Übersicht

→ Neo­li­thi­sche Beile und Äxte — Linkliste

→ Beilklin­gen des Neo­li­thi­kums im Rheinland

→ Dech­sel­klin­gen aus dem älte­ren Neolithikum

→ Grundlegendes zu Dechselklingen

→ Durchlochte Felssteingeräte

→ Beil– und Axtschäftungen

 

  1. Johanna Brandt, Kreis Neuss, Archäologische Funde und Denkmäler des Rheinlandes, Band 4, Köln, 1982, S. 240, Tafel 139, Nr. 8