Beilklingen des Neolithikums im Rheinland | Steinzeit & Co

Beilklingen des Neolithikums im Rheinland

Die Beilklingen des Neolithikums im Rheinland entziehen sich weitgehend einer absoluten Datierbarkeit.1 Die früher als „Schuhleistenkeil“ und „Flachhacke“ angesprochenen schmalhohen und flachbreiten Dechselklingen der Bandkeramik2 lassen sich meist nur allgemein der Bandkeramik zuordnen.3 Dechselklingen treten auch in der nachfolgenden Rössener Kultur auf, begleitet von durchbohrten Breitkeilen4 und ebenfalls durchbohrten schmalhohen Dechselklingen.5 Dabei ist eine Zunahme von Dechselklingen mit gewölbter Unterseite von der jüngeren Bandkeramik zum Mittelneolithikum zu beobachten, diese sind von Beilklingen nur schwer zu trennen.6 Die Dechselklingen werden an anderer Stelle behandelt.

Schon im Mittelneolithikum sollen geschliffene Feuersteinbeilklingen auftreten, diese sind jedoch nur durch Bruchstücke belegt und nicht eindeutig gesichert.7 Felsgesteinbeile sind für diese Epoche der Steinzeit gesichert, kommen aber erst gegen Ende des Mittelneolithikums häufiger vor.8

Die ab dem Jungneolithikum überlieferten Feuersteinbeilklingen und Felsgesteinbeilklingen des Rheinlandes sind in ihrer Form oft wenig unterschiedlich, sodass eine Chronologie nur anhand der Form nicht möglich ist.9 Nur Grabungsbefunde sind sicher datierbar, wenn beispielsweise verzierte Keramik und/oder charakteristische Artefakte oder geologisch-botanische Befunde Auskunft über die zeitliche Stellung der Objekte geben können. Ähnliches gilt auch für die Dechselklingen aus (Feuer-)Steingrundform.

Aus oben genannten Gründen sind Oberflächenfunde von Beilklingen im Rheinland für sich allein gesehen nicht datierbar. Begleitfunde müssen mit Vorsicht betrachtet werden, da Oberflächenfundplätze oft vermischt sind.10 Eine sorgfältige Einmessung und Bearbeitung des Fundmaterials kann eine Zuordnung wahrscheinlicher machen. Auch das Heranziehen des verwendeten Rohmaterials kann die Datierung unterstützen. Teilweise wurden regionale und überregionale Rohstoffe in unterschiedlichen jungsteinzeitlichen Epochen genutzt. Besonders geeignet ist dafür der Maasfeuerstein mit seinen unterschiedlichen Lagerstätten und Erscheinungsformen.11

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  1. C. Willms, Beile und Äxte aus Felsgestein, in Floss (Hrsg.) Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit, Tübingen 2012, Kerns Verlag, S. 74ff, Lutz Fiedler, Formen und Techniken neolithischer Steingeräte aus dem Rheinland, in Rheinische Ausgrabungen, Band 19, Beiträge zur Urgeschichte des Rheinlandes III, Köln, 1979, S. 126; ablehnend H.D. Kahlke, Zur Entwicklungsgeschichte geschliffener, undurchbohrter Geräte aus Felsgestein nach Inventaren mitteleuropäischer Gräberfelder mit Linienbandkeramik, S. 111ff, in Quartär 9/1999, PDF, allerdings zweifelhaft, da „Schuhleistenkeile“ durchaus auch in älteren Inventaren regelhaft auftreten, vgl. N. Kalicz/J. Makkay, Die Linienbandkeramik in der grossen ungarischen Tiefebene, Budapest, 1977, S. 26ff
  2. Dechselklinge bezeichnet hier nur die Form, nicht die Funktion, da diese nur durch Gebrauchsspurenanalysen belegt werden kann
  3. Ausführlich: Lutz Fiedler, 1979, S. 121ff
  4. Zimmermann/Meurers-Balke/Kalis, Das Neo­li­thi­kum, in Urge­schichte im Rhein­land, Köln, 2006, S. 185, Lutz Fiedler, 1979, S. 185
  5. Martin Heinen/Willy Schol, Die urgeschichtliche Besiedlung des Mönchengladbacher Raumes, in Loca Desiderata, Köln 1994, S. 173
  6. Lutz Fiedler, 1979, S. 122f
  7. Zimmermann/Meurers-Balke/Kalis, 2006, S. 185, Lutz Fiedler, 1979, S. 125
  8. Lutz Fiedler, 1979, S. 124
  9. Jürgen Weiner, Neolithische Beilklingen aus Feuerstein, in Floss (Hrsg.) Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit, Tübingen 2012, Kerns Verlag, S.  833, Lutz Fiedler, 1979, S. 126
  10. Her­mann Schwa­be­dis­sen, Zur Aus­wer­tung stein­zeit­li­cher Ober­flä­chen­fund­plätze, Eis­zeit­al­ter & Gegen­wart 6/1955, S.159, PDF
  11. Lutz Fiedler, 1979, S. 61f