Schlag- und Klopfsteine

Schlagstein

Schlagstein

Schlaggeräte | Narbenfelder |Unterscheidung Schlag-/Klopfstein

Schlaggeräte

Die zweifellos älteste Steinbearbeitungstechnik ist die Schlagtechnik.1 Das Zurichten eines Rohstückes zu einem Kern und die weitere Zerlegung in Grundformen mit einem geeigneten Stein ist die direkte harte Schlagtechnik. Der zum Schlagen verwendete Stein ist der Schlagstein.

Schlagsteine sind Werkzeuge, die durch den Gebrauch als Schlaginstrument entstehen, also nicht vorher zugerichtet werden; sie werden durch mindestens ein konvexes Feld von Narben, Aussplitterungen oder Rissen bestimmt, die durch die Schlagwirkung entstehen.2 Die Unterscheidung verschiedener Gruppen nach Zahl und Lage der Narbenfelder lehnt Fiedler zu Recht ab,3 da diese Geräte durch die Nutzung geformt werden. Eine lange Nut­zungs­dauer führt meist zur Annä­he­rung an eine Kugel­form. Die zu den Schlagsteinen zählenden Retuscheure werden an anderer Stelle behandelt → Retu­scheur.

Narbenfelder

Die Narbenfelder können bei der Bearbeitung von Gesteinen und Knochen entstehen.4 Beim Treiben von Metall,  Kupfersteinzeit, entstehen feine Verrundungen. Auch beim Picken und Klopfen weicherer Materialien, Aufrauhen von Mahlsteinen, Picken von Felsgesteinbeilklingen und Schieferbearbeitung, wird die Klopfsteinfläche sehr glatt abgenutzt.5 Schlagsteine wurden nicht nur als Schlaginstrumente benutzt, sondern auch als Quetsch- und Stoßinstrumente.6 Da in der Jungsteinzeit die Aufbereitung pflanzlicher Nahrung stark an Gewicht gewann, gehören Schlag-, Klopf-, Quetsch- und Stoßinstrumente insbesondere im Neolithikum zu recht häufigen Siedlungsfunden.

Die unterschiedlich ausgeprägte Narbung an diesen Werkzeugen hat drei zusammenhängende Ursachen: Die Härte des Werkzeuges, die Härte des jeweils zu bearbeitenden Objektes  und die Art des jeweiligen Arbeitsvorganges.7 Dazu kommt noch die Schlagenergie, je höher diese ist, desto stärker die Ausprägung der Arbeitsspuren.

Im Experiment wurden verschiedene Tätigkeiten nachgestellt, die gröbsten Spuren ergab frontales Schlagen, beim Picken, Stoßen und Zermürben waren sie weniger stark ausgeprägt, streichend-streifendes Schlagen ergab noch feinere Spuren, die feinsten entstanden beim Quetschen und Zermahlen.8

Unterscheidung von Schlag- und Klopfsteinen

Klopfsteine bzw Klopfkugeln

Klopfsteine bzw Klopfkugeln

Bisher fehlte eine deutliche Unterscheidung von Schlag- und Klopfsteinen. Nach Joa­chim Hahn spricht man im Jungpaläolithikum meist von Schlagsteinen, im Neolithikum wird (zusätzlich) der Begriff Klopfer oder Klopf­stein verwendet.9 Jürgen Weiner hat diesen Missstand erkannt und definiert die beiden Begriffe klar und eindeutig anhand des Materials und der Verwendung:

Die experimentelle Archäologie kommt zu dem Ergebnis, dass Schlagsteine aus Feuerstein oder ähnlichen Materialien als Schlaggeräte zur Bearbeitung von Feuerstein oder vergleichbaren Materialien ungeeignet sind.10 Zunächst erstaunt die Feststellung, dass es zähe, relativ weiche Gesteine sind, die sich besonders gut als Schlaggerät eignen. Diese Gesteine können einen Teil der Schlagenergie absorbieren, ohne zu brechen, ähnlich wie Schlaggeräte aus Knochen, Geweih oder anderen organischen Materialien. Das bedeutet, Schlagsteine, die zur Bearbeitung von Feuerstein genutzt wurden, sind nahezu ausnahmslos aus zähem Felsgestein.

Schlaggeräte aus Feuerstein hingegen dienten der Zurichtung und Aufrauhung von Mahlsteinflächen, sowie der Zurichtung von diversen Felsgesteingeräten, wie Dechselklingen, durch Picken; darüberhinaus können Klopfspuren auch bei anderen Tätigkeiten entstehen, beispielsweise beim Weichklopfen organischer Materialien. Es handelt sich um Anwendungsbereiche, die sich grundlegend von der Grundformproduktion und deren weiterer Modifikation unterscheiden. Nur diese Geräte bezeichnet J. Weiner als Klopfsteine. Das bedeutet aber nicht, dass Klopfer ausschließlich aus Kieselgestein hergestellt wurden, sie können auch aus Felsgestein bestehen.11

Als Faustregel kann gelten: Schlagsteine bestehen bevorzugt aus Felsgestein, Klopfer aus Kiesel- und Felsgestein.12

Darüberhinaus ist die Verwendung von Klopf- und Schlagsteinen für andere Tätigkeiten, wie z.B. Pulverisieren kleinster, nicht mehr per Hand schleifbarer Hämatitstückchen zur Farbherstellung denkbar.13

Klopfkugel

Klopfkugel, Sammlung Moonk

Beispiele für Klopfsteine: Klopfstein aus Felgesteinbeilrest | Klopfstein Bandkeramik | Klopfstein Mittelneolithikum | Schleifstein als Klopfer genutzt | Klopfstein aus Valkenburgbeilrest | Klopfstein aus Quarzkonglomerat

 

  1. Jürgen Weiner, Typologie und Technologie von Steinartefakten aus dem altägyptischen Hornsteinbergbau-Revier im Wadi el-Sheikh, Ägypten, in: Der Anschnitt, Zeitschrift für Kunst und Kultur im Bergbau, 2011, Heft 4-5, S. 132
  2. Joa­chim Hahn, Erken­nen und Bestim­men von Stein– und Kno­chen­ar­te­fak­ten, Archaeo­lo­gica Vena­to­ria, Band 10, Tübin­gen, 1991, S. 237
  3. Lutz Fied­ler, For­men und Tech­ni­ken neo­li­thi­scher Stein­ge­räte aus dem Rhein­land, in Rhei­ni­sche Aus­gra­bun­gen, Band 19, Bei­träge zur Urge­schichte des Rhein­lan­des III, Köln, 1979,  S. 72
  4. Hahn, S. 238
  5. Fiedler, S 65
  6. Fiedler, S. 131
  7. Fiedler, S. 131
  8. Fiedler, S. 131
  9. Hahn, S. 237
  10. Jürgen Weiner, Schlaggeräte aus Stein, in Floss (Hrsg.), Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit, Tübingen, 2012, Kerns Verlag, S. 143
  11. Jürgen Weiner, 2012, S. 143
  12. Jürgen Weiner, 2012, S. 143 unten
  13. Birgit Gehlen et al., Die Gesteinsinventare der Rössener Siedlungen Aldenhoven I und Inden I, in A. Zimmermann (Hrsg.), Studien zum Alt- und Mittelneolithikum im Rheinischen Braunkohlerevier, Rhaden/Westf., 2009, S. 362