Protofaustkeil

Protofaustkeil, verändert nach Didier Descouens / Wikimedia

Protofaustkeil, verändert nach Didier Descouens / Wikimedia Commons / CC-BY-3.0

 

Protofaustkeile bestehen aus Geröllen oder massiven Abschlägen, bei denen wenige grobe Schläge ein spitz ausgeformtes Funktionsende bilden. Selten wird eine Größe von 10 cm überschreiten, es gibt keine standardisierte Umrissform. Die teilweise faustkeilartig behauenen, massiven Abschläge der Karari-Industrie in Ostafrika, 2 Mio. bis 1,6 Mio. Jahre BC, könnten möglicherweise die ältesten Protofaustkeile sein.1 Sie wären dann der Oldowan-Industrie zuzuschreiben.2

Der Kantenverlauf dieser Protofaustkeile ist meist unregelmäßig, die Basis ist in der Regel unbearbeitet. Die Protofaustkeile unterscheiden sich nicht nur im Grad ihrer Ausarbeitung von klassischen Faustkeilen, sondern auch in Bezug auf die Benutzung. Während bei Protofaustkeilen nur die Spitzenpartie benutzbar war, wurden bei Faustkeilen die Spitze und die Lateralkanten zur Bearbeitung verschiedener Materialien genutzt.3 Mit der Entwicklung des Acheuléen werden auch die Faustkeile sorgfältiger zugerichtet, man spricht dann nicht mehr von Protofaustkeilen, es handelt sich um Faustkeile im klassischen Sinn.

  1. Lutz Fiedler, G. und W. Rosendahl, Altsteinzeit von A bis Z, 2011, Wbg, Darmstadt, S. 301
  2. Wikipedia/Oldowan
  3. Marie Soressi, Die Steintechnologie des Spätmoustérien – Ihre Bedeutung für die Entstehungsgeschwindigkeit modernen Verhaltens und die Beziehung zwischen modernem Verhalten und biologischer Modernität, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Urgeschichte, 13/2004, PDF, S.16