Neolithische Mahlsteine

ägypten↑ Getreidemahlen in Ägypten, 18. Dynastie, 1570-1293 BC, verändert nach © Robert Valette / Wi­ki­me­dia Com­mons /GNU Free Do­cu­men­ta­tion License

Begriffserklärung

In der Literatur werden für Mahlsteine unterschiedliche Begriffe verwendet.1 Dies führt zu Verwirrungen und Missverständnissen, deshalb werden hier Stücke, die primär zum Mahlen von Getreide durch schiebend-ziehende Handhabung genutzt wurden, als Bestandteile von Schiebemühlen bezeichnet. Eine solche Schiebemühle besteht aus zwei Mahlsteinen, dem passiven Mahlstein, Unterlieger, und dem aktiv geführten Mahlstein, Läufer oder Oberlieger.

Schiebemühlen traten schon in der epipaläolithischen Natufien-Kultur der Levante, 13.000-11.000 Jahre BC, auf  und wurden zur Verarbeitung von Wildgetreide genutzt.2 Damit datieren sie schon in das Protoneolithikum. In Zentraleuropa traten Schiebemühlen erst mit dem Beginn des Neolithikums auf.

Schiebemühlen

– Form A

Mahlsteine

Form A nach Andreas Zimmermann3

Die Länge des Läufers ist größer als die Breite des Unterliegers, dadurch steht der Läufer seitlich über. Während der Läufer beim Gebrauch im mittleren Bereich abnutzt, behalten die überstehenden Enden ihre ursprüngliche Form. Es entsteht der Eindruck, die Enden würden herabhängen. Der Läufer ist in Arbeitsrichtung durch die Vor- und Rückbewegung konvex abgearbeitet. Der entsprechende Unterlieger ist in Längsrichtung konkav, quer zur Arbeitsrichtung konvex geformt. Dadurch ergibt sich eine sattelförmige Mahlfläche, dementsprechend wird gelegentlich der Begriff Sattelmühle gebraucht.4

Fotomontage mit orginalem Läuferbruchstück

Fotomontage mit originalem Läuferbruchstück

– Form B

Mahlstein

Form B nach Andreas Zimmermann5

Bei Form 2 entspricht die Länge des Läufers etwa der Breite des Unterliegers. Dadurch nutzen sich beide Mahlsteine gleichmäßig ab. Die Mahlflächen von Läufer und Unterlieger werden gerade zugerichtet. Durch die Vor- und Rückbewegung wird die Mahlfläche des Läufers in Arbeitsrichtung leicht konvex. Die Mahlfläche des Unterliegers nutzt in der Mitte stärker ab, als an den Enden, dadurch wird sie in Arbeitsrichtung konkav.

Mahlstein

Schiebemühle Form B, Länge etwa 50 cm, Fundort Gangelt, Kreis Heinsberg

– Form C

Mahlstein

Form C nach Andreas Zimmermann5

Hier ist der Läufer kürzer als der Unterlieger breit ist. Dadurch bildet sich mit der Zeit eine Mulde im Unterlieger, die seitlichen Bereiche der Arbeitsfläche werden nicht abgenutzt. Die Läufer können walzenförmig oder kugelig bis oval sein. Walzenförmige Läufer führen zu trogartigen Vertiefungen mit steilen Seitenwänden, kugelig bis ovale Läufer zu Mulden im Unterlieger.

Mahlstein

Schiebemühle Form C, Çayönü, Provinz Diyarbakır, Türkei, etwa 7500-7100 BC

  1. Nicole Kegler-Graiewski, Mahl- und Schleifsteine, in Floss (Hrsg.) Steinartefakte vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit, Tübingen 2012, Kerns Verlag, S. 779; dies. Beile – Äxte – Mahlsteine. Zur Rohmaterialversorgung im Jung- und Spätneolithikum Nordhessens, Dissertation, Köln 2007, S. 67, PDF
  2. C. L., Katalog-Nr 47, S. 280, in Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.) Vor 12.000 Jahren in Anatolien. Die ältesten Monumente der Menschheit, Stuttgart, 2007
  3. Andreas Zimmermann, Neolithische Steinartefakte – ihre Merkmale und Aussagemöglichkeiten, in Preuß (Hrsg.), Das Neolithikum in Mitteleuropa. Kulturen- Wirtschaft – Umwelt vom 6. Bis 3. Jahrtausend v.u.Z. – Übersichten zum Stand der Forschung, Teil A: Das Neolithikum in Mitteleuropa, Weissbach 1998, S. 137-158, Abb. 37
  4. Nicole Kegler-Graiewski, 2012, S. 781; dies. 2007, S. 69, PDF
  5. Andreas Zimmermann, 1998, S. 137-158, Abb. 37
  6. Andreas Zimmermann, 1998, S. 137-158, Abb. 37