Keulenköpfe

neolithikum

Keulenkopf in Fundsituation

Steinerne Keulenköpfe sind  erstmals vereinzelt aus dem Frühmesolithikum bekannt1 und sind im gesamten Neolithikum anzutreffen.2 Im Verhältnis zu Beilen und Dechseln sind sie selten.3

mesolithikum

Scheibenkeule, Frühmesolithikum

Einfache mesolithische Geröllkeulen sind lediglich durchlocht. Durch beidseitiges Picken entsteht ein sanduhrförmiges Loch, bikonisch.4 Damit unterscheiden sie sich deutlich von gebohrten Artefakten des Neolithikums, die mittels Voll- oder Hohlbohrung durchlocht wurden.5 Neben einfachen Geröllkeulen treten im Neolithikum u. a. auch kugelige und scheibenförmige Formen auf.6 Diese wurden durch Picken und Schleifen in die entsprechende Form gebracht.7 Durchbohrte Steingeräte sind relativ selten. In ihnen sind wohl stets Kriegsgeräte zu sehen.8Artikel: Durchlochte Felssteingeräte

neolithikum

Scheibenkeule, Bandkeramik

Geröll- und Scheibenkeulen haben unterschiedliche Verbreitungsschwerpunkte. In Verbindung mit der Großgartacher Kultur ist der Gebrauch von Keulenköpfen unüblich gewesen, ebenso in der Hinkelstein Kultur und der Oberlauterbach Kultur Bayerns. Bereits in der Linearband Kultur scheinen Keulenköpfe weniger häufig zu sein. Aufgenommen wird die Tradition dagegen wieder von der Stichbandkeramik in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet. Nach Südwestdeutschland kommt diese Keulenkopftradition erneut mit dem Rössen Verzierungsstil, der diesen Impuls wohl aus der Stichbandkeramik aufgenommen hat.9

neolithikum

Keulenkopf  mit Hohlbohrung, Quarzit, mittleres Neolithikum

Keulenköpfe können neben den vorgestellten Materialien auch aus Holz gefertigt sein, Foto, wie der folgende Link zu einer Holzkeule zeigt.

Keulenkopf

Creative Commons Lizenzvertrag Keulenkopf, Schnurkeramik, wohl aus gebrochenem Axtkopf gefertigt,verändert nach Jurai Lipták, Landesmuseum für Vorgeschichte Halle

Das nachfolgend abgebildete Artefakt stellt eine Vorarbeit eines Keulenkopfes dar. Durch Picken wurde eine rundliche Form herausgearbeitet, der Durchmesser beträgt etwa 7 cm. Während auf der einen Seite eine begonnene Hohlbohrung zu erkennen ist, wurde auf der Gegenseite nur eine Mulde eingepickt. Die Mulde hätte der Führung des Bohrers gedient, die Bohrung von dieser Seite aus wurde jedoch nicht ausgeführt.

Keulenkopfvorarbeit

Creative Commons Lizenzvertrag Keulenkopfvorarbeit, verändert nach Heimatmuseum Osterwieck

Aus dem Grab 35 des Gräberfeldes von Rössen, Leuna, Sachsen-Anhalt, stammt der folgende Keulenkopf. Der Durchmesser beträgt etwa 7 cm. Deutlich sind Reste einer eingepickten Mulde rund um die Bohrung zu erkennen. Der finale Feinschliff fehlt.

Keule Rössen

Creative Commons Lizenzvertrag Keulenkopf Rössen, verändert nach Juraj Lipták, Landesmuseum für Vorgeschichte Halle

  1. Joa­chim Hahn, Erken­nen und Bestim­men von Stein– und Kno­chen­ar­te­fak­ten, Archaeo­lo­gica Vena­to­ria, Band 10, Tübin­gen, 1991, S 237
  2. C. Diedrich, Neolithische Steingeräte im Kreis Herford zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge (Nordwestdeutschland) www.jungsteinsite.de – Artikel vom 1.Oktober 2002, Abschnitt 3.1, PDF
  3. Hahn, S. 237
  4. Hahn, S. 237
  5. C. Diedrich, 3.1
  6. Hahn, S. 237
  7. Hahn, S. 237
  8. Lutz Fiedler, Jungsteinzeit, Bandkeramische Kultur in Hessen, S. 21, PDF
  9. E. Biermann, Alt- und Mittelneolithikum in Mitteleuropa, Untersuchungen zur Verbreitung verschiedener Artefakt- und Materialgruppen und zu Hinweisen auf regionale Tradierungen, 2003, S. 16 PDF