Faustkeile

Die Archäologie fasst unter den Begriff Faustkeil eine ganze Gerätegruppe. So werden neben Faustkeilen auch Fäustel, Pics, Cleaver (Breitkeile), Faustkeilblätter und Keilmesser (früher: Faustkeilschaber) unter diesem Oberbegriff subsumiert.1

Hier wird der klassische Faustkeil beschrieben. Nach J. Hahn ist ein Faustkeil ein zweiseitig (bifacial) bearbeitetes Artefakt mit flächiger Retusche, welches meist eine sorgfältiger bearbeitete Spitze und regelmäßig retuschierte Kanten aufweist.2 Es gibt zahlreiche Unterteilungen nach Breiten-Dicken-Verhältnis und Umrissform. Die Merkmalanalyse besitzt jedoch Mängel, Nachschärfungen bzw -arbeitung kann zu anderen Kantenverläufen, Formen und Dicken und damit zu anderen Typen führen.3 So kann aus einem relativ kleinen Faustkeil durch Nachschärfung ein Fäustel werden, nur weil die 6 cm Grenze unterschritten wird.
Auffällig ist, dass frühe Faustkeile sehr grob, jüngere hingegen teilweise deutlich über das Notwendige hinaus fein bearbeitet sind.4

Erste Faustkeile finden sich schon im Altpaläolithikum, im Mittelpaläolithikum sind sie stark vertreten, wenngleich andere Werkzeuge wie Schaber viel häufiger sind. Mit Ende des Mittelpaläolithikums endet auch die Laufzeit der Faustkeile.

Sehr umfangreiche PDF zu Faustkeilen: M. Soressi / H. Dibble, 2003,  Multiple Approaches to the Study of Bifacial Technologies

Fotos von Faustkeilen

Faustkeil, Acheuléen, 12 cm, Dordogne, FR

Faustkeil, Acheuléen, 12 cm, Dordogne, FR

Faustkeil, tropfenförmig, MtA, 7 cm, Dordogne, FR

Faustkeil, tropfenförmig, MtA, 7 cm, Dordogne, FR

Faustkeil, herzförmig, MtA, 9,6 cm, Dordogne, FR

Faustkeil, herzförmig, MtA, 9,6 cm, Dordogne, FR

Acheuléen, älter
Acheuléen, jünger
Mousterien
MTA
Micoquien, älter
Micoquien, jünger
Dreieckig
Oval
Länglich
Faustkeilblatt
  1. Lutz Fied­ler, G. und W. Rosen­dahl, Alt­stein­zeit von A bis Z, 2011, WBG, Darm­stadt, S. 119
  2. Joa­chim Hahn, Erken­nen und Bestim­men von Stein– und Kno­che­ar­te­fak­ten, Archaeo­lo­gica Vena­to­ria, Band 10, Tübin­gen, 1991, S. 145
  3. Joa­chim Hahn, Erken­nen und Bestim­men von Stein– und Kno­che­ar­te­fak­ten, Archaeo­lo­gica Vena­to­ria, Band 10, Tübin­gen, 1991, S. 145ff
  4. Lutz Fied­ler, G. und W. Rosen­dahl, Alt­stein­zeit von A bis Z, 2011, WBG, Darm­stadt, S. 120