Bohrer

Neolithischer Bohrer, Sammlung Klaus Kasubke

Neolithischer Bohrer, Sammlung Klaus Kasubke

 

Schon  im Alt- und Mittelpaläolithikum treten vereinzelt grobe Bohrer, Becs, auf. Erste, deutlich als klassische Bohrer ansprechbare Stücke  treten im Jungpaläolithikum auf.

Nach Hahn1 ist ein Bohrerende ein dornartiger Vorsprung, der durch bilaterale, konkave Retusche erzeugt wird. Gerade oder konvexe Kanten sind selten. Bohrerenden können an natürlichen oder herausgearbeiteten Vorsprüngen liegen.

Die Retusche kann intentional angelegt oder durch den Gebrauch entstanden sein. Geeignete Grundformen weisen die gleichen Modifikationen wie retuschierte Bohrerenden auf.2 Die Retusche ist überwiegend dorsal, alternierend oder selten auch nur ventral angelegt.3 Die Ausbildung der Abplatzungen ist abhängig von der Drehrichtung, bei wechselnder Drehrichtung entsteht eine beidflächige Retusche, bei gleicher Richtung eine alternierende.4 Die früher geforderte Wechselretusche ist mittlerweile kein Bestimmungskriterium mehr.5 Typische Gebrauchsspuren sind Abplatzungen, Brüche und Verrundungen der Spitzenpartie.6

Feinbohrer, Mikrobohrer, mircro percoir, besitzen ein kurzes, schmales, meist dünnes Bohrende an einer kleinen Grundform, Abschlag oder Lamelle unter 35 mm. Solche Feinbohrer mit gut abgesetztem Bohrende sind typisch für das Magdalénien.7

Langbohrer werden aus Klingen, Klingenbohrer, oder länglichen Abschlägen, Abschlagbohrer, gefertigt und besitzen ein langes Bohrende, auch sie sind typisch für das Magdalénien.8

Bohrer Jungpaläolithikum, Museum Zitadelle Jülich

Bohrer Jungpaläolithikum, Museum Zitadelle Jülich

 

Im Neolithikum sind Bohrer vorwiegend aus Klingen gefertigt.9 Die Abgrenzung zu Geräten mit ähnlich ausgeformten Spitzenpartien, beispielsweise Spitzklingen, ist teilweise schwierig,10 Verrundungen im Spitzenbereich lassen die Verwendung als Bohrer plausibel erscheinen.11 Das gilt auch für gelegentlich umgenutzte Pfeilspitzen.12

Geschulterte Bohrer, d.h. Stücke mit deutlich ein- oder beidseitig abgesetztem Bohrende, sind leichter zu klassifizieren.13

Geschulterter Bohrer,

Einseitig geschulterter Bohrer, 35/14/4 mm, Bandkeramik, Finder Sven Horn

 

Perlenherstellung

Bohrer und Perle, Finder Robert Bollow

Bohrer und Perle, Finder Robert Bollow

Der hier gezeigte gezeigten Bohrer ist ein Oberflächenfund von einer Bandkeramischen Siedlung. Bisher wurden dort drei längliche Kalksteinperlen und mehr als 70 Bohrer gefunden, viele davon mit ähnlich lang ausgezogener Spitze. Bandkeramische Bohrer wurden meist aus Richtung der Basis zur Spitze hin retuschiert.14

  1. Joachim Hahn, Erkennen und Bestimmen von Stein- und Knochenartefakten, Archaeologica Venatoria, Band 10, Tübingen, 1991, S. 186
  2. Hahn, 1991, S. 186; Lutz Fiedler, Formen und Techniken neolithischer Steingeräte aus dem Rheinland, in Rheinische Ausgrabungen, Band 19, Beiträge zur Urgeschichte des Rheinlandes III, Köln, 1979, S. 67 u. 69
  3. Hahn, 1991, S. 186
  4. Fiedler, 1979, S. 70
  5. Fiedler, 1979, S. 106
  6. Fiedler, 1979, S. 110
  7. Hahn, 1991, S. 186
  8. Hahn, 1991, S. 186
  9. Fiedler, 1979, S. 74
  10. Fiedler, 1979, S. 106f
  11. Vergl Fiedler, 1979, S. 108
  12. Fiedler, 1979, S. 110
  13. Fiedler, 1979, S. 107
  14. Hahn, 1991, S. 186