Archäologische Sammlungen

Das Sammeln archäologischer Lese- und Detektorfunde unterscheidet sich grundlegend von anderen Sammlungen. Der Sammler archäologischer Funde muss die Vorschriften der Denkmalschutzgesetze beachten und die Funde dokumentieren und melden.

Der wissenschaftliche Wert eines Fundes ist mit dem Fundzusammenhang verknüpft. Funde aus archäologischen Grabungen besitzen die höchste Aussagekraft. Ihre Lage zueinander und ihre Verteilung im Planum lassen Rückschlüsse auf  die Art und Nutzung des Fundplatzes zu. Pollenanalysen und geologische Untersuchungen geben Auskunft über das Alter der Fundschicht, die damaligen Klimabedingungen etc.

Lese- und Detektorfunde aus gestörten Böden sind aus dem Befund gelöst, sie befinden sich nicht mehr in situ. Insofern ist ihre wissenschaftliche Aussagekraft stark eingeschränkt. Umso mehr ist jede noch greifbare Information zu den Funden bedeutend.

An erster Stelle steht die Fundmeldung. Archäologische Lese- und Detektorfunde sind Bestandteile des archäologischen Erbes und von öffentlichem Interesse. Ohne eine Meldung der Funde bei den Denkmalbehörden ist eine wissenschaftliche Auswertung unmöglich. Der Fund wird vom Fundort entfernt und geht so der Allgemeinheit verloren. Wer Funde nicht meldet, verstößt gegen die Meldepflicht, das ist strafbar.

Zu jedem Fund gehört unweigerlich ein Fundort; wird dieser nicht dokumentiert, sind die Funde aus wissenschaftlicher Sicht wertlos. Wer Funde undokumentiert sammelt, raubt den Funden jegliche Aussagekraft und zerstört aus wissenschaftlicher Sicht (bewegliche Boden-) Denkmäler.

Auch die Art des Sammelns hat einen großen Einfluss auf den wissenschaftlichen Wert der Funde. Wie schon erwähnt, ist gerade durch das Fehlen des Befundes der Fundzusammenhang von größter Wichtigkeit. Sofern es sich nicht um Einzelfunde handelt, ist das Absammeln aller Funde von immanenter Bedeutung. Selektives Absammeln verfälscht die Interpretation der Fundstellen. Wer selektiv sammelt, raubt den Funden ihre Aussagekraft und hinterlässt einen in seiner Aussage verfälschten Fundplatz. Selektives Absammeln ist kurzsichtig und unverantwortlich.

Detektorfunde sind naturgemäß sehr stark in ihrer Aussagekraft eingeschränkt, da es sich ausschließlich um Metallfunde handelt. Eine einzelne römische Münze ist zwar datierbar, wird sie jedoch auf einer römischen Trümmerstelle gefunden und zusammen mit den Keramikfunden dokumentiert, erhöht sich die Aussagekraft von Münze und Trümmerstelle. Die Suche mit Detektoren ist in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich geregelt; alle Reglungen zielen auf den Schutz der Bodendenkmäler hin. Der Einsatz von Detektoren erfordert eine behördliche Genehmigung, egal ob es sich um öffentliche oder private Grundstücke handelt. Die immer wieder vorgeschobene „Auftragssuche nach verlorenen Eheringen“ ist ebenfalls genehmigungspflichtig. Wer in ungestörtem Boden oder archäologischen Schutzzonen sucht, handelt nicht nur verantwortungslos, er begeht auch eine Straftat.

Archäologische Lesefunde besitzen eine höhere Aussagekraft, wenn sie in Bezug zu weiteren Funden gesetzt werden können. Meist ermöglicht erst die Kombination verschiedener Werkzeuge zusammen mit Keramikscherben und Grundformen seriöse Aussagen zur Zeitstellung und Belegung des Platzes. So kann das Fehlen von Abschlägen und Kernen auf einen kurzen Aufenthalt hinweisen, liegen neben Werkzeugen viele Grundformen und verbrannte Stücke vor, ist ein längerer Aufenthalt wahrscheinlich; Mahlsteinbruchstücke, Keramikscherben und Hüttenlehm belegen Siedlungsstellen.

Alle diejenigen, die die Vorschriften der Denkmalschutzgesetze achten und die Funde dokumentieren und melden, leisten einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Geschichte. Wer jedoch nur zum Selbstzweck sammelt, keine Dokumentation führt und die Funde nicht meldet, unterscheidet sich kaum von einem Raubgräber.