Oldowanartefakte nach Mary Leakey

Abb1: Olduvai Gorge

Abb1: Olduvai Gorge

Die langjährigen Ausgrabungen von Louis und Mary Leakey in der Olduvai Gorge in Tansania lieferten zahlreiche Artefakte der ältesten Steingeräteindustrie, in Anlehnung an den Fundort wurde der Begriff Oldowan namengebend. Die Klassifizierung der Oldowanartefakte stammt von Mary Leakey.1 Nach Leakey soll es sich im Wesentlichen um Geröllgeräte und meist unretuschierte Abschläge handeln. Moderne Untersuchungen weiterer Oldowaninventare kommen jedoch zu anderen Ergebnissen. → Ar­ti­kel: Neu­be­wer­tung der Oldowanindustrie

Klassifizierung nach Leakey:

Grobgeräte, heavy-duty-tools, größer als 5 cm

– Chopper: Geröllgeräte, üblicherweise aus Flussgeröllen, mit einer durch einseitige Abschläge geformten Kante.

– Diskoide: Geröllgeräte aus flachen Flussgeröllen oder großen Abschlägen mit randlich umlaufenden, zweiseitigen Negativen.

– Polyeder: Geröllgeräte mit drei oder mehr Kanten.

– Grobschaber: dicke Geröllgeräte mit einer ebenen Fläche und steilen Negativen an einer oder mehreren Kanten.

– Sphäroide und subspheroids: mehr oder weniger kugelförmige Geröllgeräte.

– Proto-Zweiseiter: Artefakte, die morphologisch zwischen einem Chopper und einem Faustkeil liegen. Für diese Gruppe ist der von Hallam Leonard Movius geprägte Begriff chopping tool gebräuchlich. Er sieht nicht die Nähe zu Faustkeilen, sondern unterscheidet nur ein- und beidseitig geformte Geröllkanten.

Chopper, Chopping tool, Polyeder

Abb 2: „Chopper, Chopping tool, Polyeder“

Feingeräte, light-duty-tools, kleiner als 5 cm

Abschläge oder Abschlagfragmente, die durch Retuschen zu Werkzeugen modifiziert wurden

Benutzte Artefakte

– Ambosssteine: Gerölle mit muldenförmigen Narbenfeldern, die auf den Gebrauch als Unterlage beim Steinschlagen schließen lassen.

– Schlagsteine: Gerölle mit typischen Zerrüttungen an den Enden.

– Gebrauchte Stücke: Gerölle mit Abplatzungen oder Verrundungen an den Enden, die auf einen Werkzeuggebrauch schließen lassen.

– Gebrauchte Abschläge: Abschläge mit Abplatzungen oder Verrundungen an den Kanten; heavy-duty flakes und light-duty flakes.

Schlagabfälle, debitage

Hierunter fallen Abschläge, Abschlagfragmente und Trümmer ohne Retuschen und makroskopisch erkennbare Gebrauchsspuren.

Eingetragene Stücke, manuports

Unmodifizierte Gesteine, die nicht natürlich am Fundplatz vorkommen und demnach von Menschen dort hin gebracht wurden.

 

Abbildungsnachweis

Abb1: verändert nach Wegmann / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 3.0; Abb 2: verändert nach José-Manuel Benito Álvarez / Wikimedia Commons / CC-BY-SA 2.5

  1. Mary Leakey, Olduvai Gorge, Volume 3: Excavations in Beds I and II, 1960-1963. Cambridge, 1971